Interview

Nach der Kunst: Art Basel Miami Beach

Als Besucher der Art Basel Miami Beach sollte man sich Zeit nehmen. Nach ein paar Stunden auf der Messe bietet die Stadt vielfältige Möglichkeiten, die entdeckt werden wollen. Marc Spiegler leitet die Kunstmesse, die zu den wichtigsten der Welt gehört. Ein ganz persönlicher Guide rund um den glamourösesten Art-Event des Jahres.

Interview
Hendrik Lakeberg

Design District

„Der District wurde in den vergangenen zehn Jahren neu belebt. Ein großartiger Ort für einen Spaziergang – man kann dort fantastisch essen und findet viele Luxusgeschäfte. Dieses Jahr eröffnet das neue ICA-Miami-Gebäude während der Art Basel Miami Beach mit einer großen Gruppenausstellung, die die Bedeutung des Künstlerstudios untersucht, von der Nachkriegszeit bis heute.“

Florida Keys

„Wenn Sie gerne Motorrad oder Auto fahren, mieten Sie eines und fahren Sie die Florida Keys runter bis nach Key West. Die Seven Mile Bridge ist Magie.“

Wynwood Art District

„Wynwood ist eher eine Hipstergegend – ein guter Ort, um einen Cold-Brew-Kaffee zu trinken. Hier gibt es viel Subkultur und Graffiti zu entdecken.“

Exzellente private Sammlungen und Museen

„Es lohnt sich, die international renommierten Privatsammlungen und Museen der Stadt zu besuchen. Dazu gehören die Cisneros Fontanals Art Foundation (CIFO), der de la Cruz Collection Contemporary Art Space, die Margulies Collection und die Rubell Family Collection, ebenso Museen wie das Pérez Art Museum Miami, das ICA, das MoCA und das Bass Museum.“

Sonnenuntergang in Stiltsville

„Während der Prohibition bauten Schmuggler und Schwarzbrenner ein paar Häuser auf Stelzen mitten in den Ozean, in internationalen Gewässern. Der Bootstrip dorthin ist gegen Sonnen­untergang besonders schön. Wir fahren jedes Jahr zum Ende unseres Auswahl- komitee-Meetings hin.“

Die Art Basel Miami Beach gibt es seit 15 Jahren. In kurzer Zeit hat sich die Messe einen legendären Ruf erworben. Was macht sie so besonders?
Marc Spiegler: Die Art Basel Miami Beach wurde ja in den späten 1990er-Jahren als zweite Art Basel erdacht. Damals wollte man in den USA, dem größten Kunstmarkt der Welt, präsent sein. Und zugleich das Tor nach Lateinamerika öffnen. In ­Miami gab es von Anfang an viele Kunstsammler, die die Messe unterstützt haben. Und natürlich spielte auch das Klima eine Rolle. Miami ist nun mal ein Ort, an dem man im Dezember an den Strand gehen kann – was kein ­Widerspruch zum Entdecken neuer Kunst ist.

Wie hat sich das Profil der Messe im Laufe der Jahre entwickelt?
Spiegler: Ursprünglich suchte sie auch das Cross-over zwischen der Kunstwelt und der Kreativszene, also Design, Musik und Mode. Am Anfang dachten viele Galerien, man müsste in Miami knallige Pop-orientierte Kunst zeigen. Jetzt sehen sie, dass man hier nur mit qualitativ hochwertigen Arbeiten Erfolg hat.

Wie kann ein neuer Besucher der Art Basel Miami Beach am meisten abgewinnen?
Spiegler: Man muss auf jeden Fall kein Kunstprofi oder Käufer sein, um sie zu genießen. Es gibt eine Filmreihe, es gibt eine Gesprächsreihe. Wenn jemand zu mir sagt: „Ich mag keine Gegenwartskunst“, würde ich immer antworten: Verbring mal ein paar Stunden auf der Messe und dann sag mir noch mal, dass du überhaupt nichts Aufregendes gesehen hast.

Aber wie schafft man es, in dem riesigen Angebot den Überblick zu behalten?
Spiegler: Es ist tatsächlich sinnvoll, vorher etwas zu recherchieren. Wir haben eine App, in der vor der Show schon Tausende Arbeiten zu sehen sind. Also, es hilft, einen Plan zu haben. Aber es ist genauso wichtig, sich dann auf der Messe treiben zu lassen. Das ist das Schöne an Miami Beach: Man kann ein paar Stunden auf die Messe gehen, dann den Botanischen Garten besuchen, bei schönem Wetter draußen zu Mittag essen und sich dann wieder in den Messetrubel stürzen.

Hat sich die Stadt Miami durch die Belebung der Kunstszene verändert?
Spiegler: Ich denke schon. Es wurden großartige Museen gegründet, seit wir da sind – so wie das Pérez Art Museum, das von Herzog & de Meuron gebaut wurde. Dieses Jahr wird während der Messe das Institute of Contemporary Art seinen neuen Raum mitten im Design District eröffnen. Miami Beach hat sich sehr zum Besseren verändert. Als wir kamen, war die Stadt in einer schwierigen Phase. Sie galt als hartes Pflaster. Jetzt verbringen viele Sammler hier auch während des restlichen Jahres gerne ihre Zeit.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an Miami?
Spiegler: Die vielen inspirierenden Begegnungen. Und das Wasser. Manchmal schon zum Sonnenaufgang. Kürzlich hatte ich einen Termin um sieben Uhr morgens – mit Craig ­Robins, dem Besitzer von Design Miami und Gründer des Design District. Ich stand mit Paddel auf einem Board. Er saß in einem Kajak. Das war ein Business-Meeting auf Miami-Art.

Marc Spiegler

Die Karriere des 49-jährigen Kunstmanagers begann als Autor für Publikationen wie „­ARTnews“ und „New York“. 2012 wurde der in Chicago geborene Spiegler Direktor für alle Standorte der Art Basel. Die Art Basel Miami beschert der Stadt inzwischen Millionen­umsätze und hat entscheidend zu einer aufblühenden Hotel-, Gastronomie- und Kunstszene beige­tragen. BMW ist offizieller Partner der Art Basel.

20.10.2017