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Emmanuel Dietrich und seine BMW R 69 S

Der französische Designer Emmanuel Dietrich hat ein großes Herz für erstklassige Mechanik – und eine eigene Motorradwerkstatt in seinem Studio. Kein Wunder also, dass eine BMW R 69 S von 1969 und eine BMW R 1200 RS zu seinen Lieblingsmotorrädern gehören.

Text
Silke Bender
Fotos
Maurice Haas

Ich habe schon an Motorrädern herumgeschraubt, als ich noch gar nicht mit ihnen fahren durfte. Während meines Studiums in Paris an der École Boulle habe ich meine Wochenenden in einer Werkstatt verbracht. Sie gehörte dem Vater eines guten Freundes – und dort stand eine BMW R 69 S von 1969. Der Vater – ein glänzender Mechaniker – brachte mir alles bei, was ich als technikbegeisterter junger Mann wissen wollte. Heute ist er ein fast 90 Jahre alter Herr. Da er selbst irgendwann keinen Motorradführerschein mehr hatte, vermachte er die Maschine vor 5 Jahren seinem Sohn. Irgendwann ging sie in meinen Besitz über. Für mich war klar: Das Stück muss „in der Familie“ bleiben – und das nicht nur, weil die Maschine dasselbe Baujahr wie ich hat.

Ich und meine Frau lieben die enge Verbindung, die man zu zweit auf dem Motorrad erlebt: Man spürt den Körper des anderen und lehnt sich gemeinsam in die Kurve.

Emmanuel Dietrich

Emmanuel Dietrichs BMW R 69 S von 1969 gehörte dem Vater eines guten Freundes – ein glänzender Mechaniker. In dessen Werkstatt lernte Dietrich alles, was ein technikbegeisterter junger Mann wissen wollte. Auf einem Foto von 1956 sitzt er auf einer BMW R 50, die er vor der BMW R 69 S gefahren hat.

Ich war schon immer ein Zweizylindertyp: Für mich ist das der ideale Kompromiss zwischen Charakter und Drehmoment. Der rasante Schub bei der Beschleunigung, für den es im Französischen den schönen Ausdruck „coup de pied au cul“ gibt, was so viel wie „Tritt in den Hintern“ heißt. Die BMW R 69 S fährt sich leichtgängig wie ein Fahrrad in den Kurven, ist gleichzeitig superstabil, technisch auch mit fast 50 Jahren absolut zuverlässig und dazu noch im schönsten zeitlosen Design – alles, was ich liebe. Und dann der gleichmäßig rhythmische Sound durch die horizontal angebrachten Zylinder! Ein Einzylinder klingt mir zu rau, ein Drei- oder Vierzylinder zu hoch.

Als ich das Motorrad kaufte, baute ich es in den Originalzustand zurück – nur zwei kleine Änderungen habe ich mir erlaubt: eine elektronische Zündung, weil sie einfach zuverlässiger ist, und einen selbst konzipierten neuen Batteriehalter, versteckt unterm Sattel. Die Patina jedoch wollte ich unbedingt behalten, deswegen habe ich den Lack nicht erneuert, sondern nur poliert. Reparaturen und Wartung selbst zu machen ist für mich Ehrensache – ich teile mein Designstudio mit zwei anderen Motorradfans, wir haben uns im Erdgeschoss eine Werkstatt eingerichtet. Wer selbst schraubt, lernt Demut vor der Ingenieurskunst: Bei der R 69 haben die Ingenieure wirklich einen guten Job gemacht. Nicht nur so gut wie nötig, sondern so gut wie möglich. Ich mag, dass alles in diesem Motorrad so solide ist – und dass alles zu hundert Prozent analog funktioniert.

Dietrich versetzte seine BMW R 69 S in den Originalzustand zurück. Dabei war auch eine neue Lackierung tabu. Er polierte die Maschine lediglich, sodass die Patina erhalten blieb.

Mit seiner Frau unternimmt Dietrich oft Ausflüge an den Wochenenden. Diana Dietrich arbeitet als Model und hat die Plattform u-booker.com gegründet, die Kunden mit Models auf neue Art vernetzt.

Mit seiner Frau unternimmt Dietrich oft Ausflüge an den Wochenenden. Diana Dietrich arbeitet als Model und hat die Plattform u-booker.com gegründet, die Kunden mit Models auf neue Art vernetzt.

Vor Kurzem habe ich mir als Zweitmotorrad eine BMW R 1200 RS zugelegt. Sie hat meine BMW R 1150 GS ersetzt, die ich auf dem täglichen Weg zur Arbeit gefahren bin. Kein Rennpferd, sondern ein gutmütiges Tier. Mittlerweile weiß ich: Ich brauche definitiv etwas, das mehr in Richtung Rennpferd geht. Ich fand die Ästhetik bei der BMW R 1200 RS auf Anhieb sehr gelungen. Vor allem die Kombination aus sichtbarem Motor und gleichzeitig gutem Windschutz. Als Designer ist mir dieser geschlossene Gesamteindruck enorm wichtig. Als ich die Maschine zum ersten Mal gefahren bin, hat mich das Gefühl von Leichtigkeit und absoluter Präzision total umgehauen. Und natürlich die fantastische Motorleistung.

Mit meiner neuen BMW schließt sich für mich außerdem ein Kreis. Beim Fahren der BMW R 69 S habe ich mich in den Boxermotor verliebt. Und ich sehe eine direkte Linie von ihr zur BMW R 1200 RS. Beide sind für ihre jeweilige Zeit sehr schnelle und sportliche, aber auch komfortable und zuverlässige Straßenmaschinen.

In meiner Freizeit unternehme ich auf beiden Bikes am liebsten Ausflüge mit meiner Frau. Sie hat zwar auch einen Führerschein, ist aber lange nicht mehr gefahren, und es wäre wahrscheinlich am besten, wenn sie mit etwas Kleinerem wieder einsteigt. Aber sie genießt es, Beifahrerin zu sein. Wir lieben die enge Verbindung, die man zu zweit auf dem Motorrad erlebt: Man spürt den Körper des anderen und lehnt sich gemeinsam in die Kurve.

Emmanuel Dietrich ist ein französischer Produktdesigner, der unter anderem für Hermès, Ligne Roset, Calvin Klein und seine eigene Uhrenmarke Dietrich arbeitet. Er lebt in Paris und Zürich.

Dietrich war schon immer ein Zweizylindertyp, wegen des idealen Kompromisses zwischen Charakter und Drehmoment. Für den rasanten Schub bei der Beschleunigung gibt es im Französischen den schönen Ausdruck „coup de pied au cul“, sagt er. Das heißt so viel wie „Tritt in den Hintern“.

10.11.2017