Interview

„Echte Qualität wächst mit den Ansprüchen“

­Patricia Urquiola zählt zu den innovativsten Möbeldesignern ihrer Generation. Was immer sie gestaltet, wirkt zugleich modern und einladend. Ein Gespräch über modernen Luxus und echte Qualität.

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Marco Craig
Interview
Hendrik Lakeberg

Frau Urquiola, ist es schwer, im Möbeldesign etwas Neues zu erfinden?
Patricia Urquiola: Es ist tatsächlich nicht leicht. Natürlich gibt es Funk­tionen in einem Möbelstück, die immer gleich bleiben. Aber ein Sofa nutzen wir heute anders als vor hundert Jahren. Es ist der Ort, an dem man mit Freunden und der Familie zusammentrifft, man kann auf ihm auch arbeiten, essen oder lesen. Jede Tätigkeit erfordert eigentlich eine andere Ergonomie. Die industriellen Fertigungsprozesse entwickeln sich weiter, auch die Materialforschung und das Handwerk. Das Internet of Things, künstliche Intelligenz und Biotechnologie werden im Design der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Genauso wie Sensibilität, Geschmack und Social Reading – also kollektiv an Ideen zu arbeiten.

Wie würden Sie heute Luxus definieren?
Urquiola: Als Qualität. Das hat nichts mit dem Preis zu tun. Entscheidend sind die Gedanken hinter einem Objekt: Bereichert es das Leben seines Besitzers? Kann er eine emotionale Beziehung zu ihm aufbauen? Macht es seinen Alltag komfortabler? Ich denke, dass echte Qualität die Erwartungen übertrifft. Sie sollte intuitiv sein, persönlich und evolutionär, also mit den Ansprüchen des Nutzers wachsen.

„Bereichert ein Objekt das Leben seines Nutzers? Kann er eine emotionale Beziehung zu ihm aufbauen? Darum geht es.“

Was inspiriert Sie zu Ihren Designs?
Urquiola: Ideen kommen oft unverhofft. Nicht unbedingt bei der Arbeit, sondern auch nach Feierabend. Inspiration finde ich oft durch meine Leidenschaft für Kunst, Literatur, Musik, das Kino oder die Mode.

Haben Sie Rituale, die Ihnen dabei helfen, kreativ zu sein?
Urquiola: Ich wünschte, es wäre so einfach. Reisen hilft. Eine gute Idee fühlt sich immer so an, als würde man von einem Blitz getroffen werden. Aber das ist nur der Anfang eines längeren Prozesses, bei dem es darum geht, zu überprüfen, ob sie tatsächlich gut war. Das ist der Teil meiner Arbeit, der mir am meisten Spaß bereitet: der Weg von der Idee zum Produkt.

Würde es Sie reizen, ein Automobil zu gestalten?
Urquiola: Ja! Das wäre toll. Es müsste emotional sein, extrem sicher und sich wie ein Wohnraum anfühlen, in dem man sich fortbewegen kann.

Patricia Urquiola
Die spanische Architektin und Designerin lebt und arbeitet in Mailand. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählt die Liege Antibodi für Moroso. Ihr Studio Urquiola kooperiert immer wieder mit Luxusmarken, wie etwa Louis Vuitton. Auch mit BMW hat sie bereits zusammen­gearbeitet, unter anderem auf dem Salone del Mobile.

11.08.2017