Galerie 2116

Auf andere Planeten reisen

Das Thema „Mobilität der Zukunft“ ist komplex und vielschichtig. Seine Erörterung erfordert sowohl Analyse als auch Vorstellungskraft. Im Rahmen einer Galerie 2116 entwerfen renommierte Illustratoren ihre Ideen für die Mobilität der kommenden 100 Jahre. Das Ergebnis, das wir im BMW Magazin digital in einer dreiteiligen Serie exklusiv präsentieren, ist ein Portfolio der Möglichkeiten. Denn nicht alles, was sich bewegt, muss vier Räder haben. Manchmal reicht auch der eigene Kopf. Zum Beispiel der von Nicholas Blechman, Amrei Hofstätter und Benjamin Savignac.

Texte
Hendrik Lakeberg

Nicholas Blechman „Departure“

„Es wird immer Autos geben, aber die werden nicht nur auf der Erde fahren.“ Denn in Zukunft, glaubt der Künstler und Illustrator Nicholas Blechman, werden wir nicht nur in andere Städte, Länder und auf alle Kontinente reisen, sondern auch zu anderen Planeten. Zu dieser Mobilitätsvision inspiriert hat ihn eine Raumsonde, die 2015 den Planeten Kepler-425b entdeckt hat. Dessen Zusammensetzung soll den Eigenschaften der Erde sehr nahekommen, erklärte die NASA, der Planet könnte bewohnbar sein. In Blechmans Arbeit wird diese Erkenntnis durch eine Rakete vermittelt, in deren Bauch eine Straße führt. Ist es nicht eine schöne Vorstellung, mit seinem BMW von der Erde aus in eine intergalaktische Fähre zu fahren, um sich auf Kepler-425b in seinem Auto auf den direkten Weg zu Freunden und Verwandten zu machen?

Amrei Hofstätter „Orbital Rotation“

Noch ist es schwer vorstellbar, dass der Mensch und die Technologie immer stärker verschmelzen. Die in Berlin lebende Illustratorin Amrei Hofstätter könnte man in dieser Hinsicht als Vordenkerin bezeichnen. In ihren opulenten, detailreichen, meistens am Computer entworfenen Arbeiten erforscht sie, wie diese Verschmelzung aussehen könnte. Zu ihrem Bild „Orbital Rotation“, in dem sie sich die Mobilität der Zukunft vorstellt, sagt sie: „Wir werden Technologien erfinden, die den Menschen dazu befähigen, sich mental frei zu bewegen, sogar über die Erde hinaus, in Richtung Weltraum. Ich nenne das spirituelle Technologie.“ Was klingt wie eine Fantasie aus einem japanischen Manga-Comic hat durchaus eine reale Grundlage. Denn dass Menschen per Gedanken Flugzeuge steuern, sollte schon bald möglich sein. Warum darüber hinaus nicht auch Autos oder im Sinne von Amrei Hofstätter: die Materie des Universums!

Benjamin Savignac „Mind Road“

Warum braucht es in Zukunft für die Fortbewegung überhaupt noch Fahrzeuge? Diese Frage stellte sich der Illustrator Benjamin Savignac und imaginiert in seiner ­Arbeit, wie es wäre, wenn wir vor allem in Gedanken reisen würden, ohne den ­Körper dabei bewegen zu müssen. „Das könnte die nächste Stufe einer ­technologischen Evolution sein“, erklärt Savignac. Für diese Gedanken findet der ­Pariser eine futuristische Bildsprache, die zwischen Collage und 3D-Simulation am Computer angesiedelt ist. Das Ergebnis ist ästhetisch ausgeklügelt komponiert und zeigt gleichzeitig, wie sprunghaft und spontan unsere Gedanken sein können – ­sowie in Zukunft dann nach Wahl und Wunsch auch die Orte, an denen wir nachdenken.

03.06.2016